Zeche und Kokerei Zollverein, Essen Katernberg

Geschichte:

1847/49: Abteufen der Schächte 1 und 2.
1851: Beginn der Förderung (ca. 13200 Tonnen) mit etwa 250 Mitarbeitern.

1866/69:

Bau/Erweiterung der ersten Kokerei (30/60 Öfen).
1880/91: Abteufen der Schächte 3 und 4.
1890: In diesem Jahr werden erstmals mehr als eine Million Tonnen Kohle gefürdert.
1894/95: Abteufen der Schächte 5 und 6. Bau einer Kokerei auf Zollverein 4/5.
1897: Abteufen der Schächte 7 und 8.
1901: Erneuerung der ältesten 30 Koksöfen.
1903/04: Abteufen von Schacht 9. Erweiterung der Kokereikapazität um 60 Öfen.
1906: In diesem Jahr werden erstmals mehr als zwei Millionen Tonnen Kohle mit knapp 6000 Mitarbeitern gefördert.
1908: Abbruch der 60 Koksöfen von 1969 und Neubau von 30 Öfen.
1911: Abteufen von Schacht 10.
1914: Inbetriebnahme von weiteren 60 Koksöfen auf Zollverein 1/2 und Bau einer Kokerei mit 120 Öfen auf Zollverein 3/7/10.
1922: Abteufen von Schacht 11.
1926/28: Stillegung der Kokerei Zollverein 4/5.
1928-32: Abteufen von Schacht XII und Bau der zugehörigen Tagesanlagen inkl. des legenderen 55 Meter hohen Doppelbockfördergerüstes. Einstellung der Schachtförderung auf 1/2, 3/7/10, 6/9 und 4/11. Schacht 5 wird verfüllt.
1935: Förderung von mehr als drei Millionen Tonnen Kohle.
1941: Eine Schlagwetterexplosion auf Zollverein 6/9 fordert 29 Todesopfer.
1941/59: 12./13. Sohle werden Hauptfördersohle.
1957-61: Bau der neuen Zentralkokerei in der Nähe der Schachtanlage Zollverein XII.
1971-73: Erweiterung der Zentralkokerei von 192 auf 304 Öfen. Damit kann die tägliche Koksproduktion von 5000 Tonnen auf 8600 Tonnen steigen. 1000 Menschen finden auf der Kokerei Arbeit.
1974: Durchschlag einer Verbindungsstrecke auf der 14. Sohle mit der Zeche Holland (10. Sohle).
1975: Verfüllung von Schacht 6.
1976: Auf der 10. Sohle wird eine zentrale Wasserhaltung für diverse Zechen im Umfeld von Zollverein eingerichtet.
1977: Ausrichtung der 15. Sohle auf 1150 Meter Tiefe.
1980/82: Verfüllung der Schächte Zollverein 3,7 und 9.
1983: Gründung des Verbundbergwerkes Nordstern/Zollverein. Unter Tage erfolgt die Verbindung der beiden Standorte über einen ca. 5 km langen Verbindungsquerschlag.
1986: Am 23. Dezember endet der Bergbau auf Zollverein und damit in ganz Essen.
1987: Die Schächte 2/12 werden für die zentrale Wasserhaltung auf der 14. Sohle weiterbetrieben.
1993: Am 30. Juni wird die Zentralkokerei Zollverein wegen der stark gesunkenen Nachfrage nach Koks in Folge der Stahlkrise geschlossen.

Allgemeines:

Die besondere Bekanntheit verdankt die Zeche Zollverein hauptsächlich dem Schacht XII und seinen Tagesanlagen. Diese Anlagen wurden von den Architekten Schupp und Kremmer zusammen mit den Ingenieuren der Zeche sowohl architektonisch als auch technisch in einer Weise gestaltet, die neue Maßstäbe setzte und Vorbild für viele nachfolgend gebaute Schachtanlagen wurde.
Erstmals wurde nicht ein Gebäude nach dem anderen bei Bedarf errichtet, sondern der Zielsetzung entsprechend, eine Zentralförderanlage zu schaffen, die die vorhandenen Förderanlagen ersetzen sollte, wurden sämtliche Arbeitsabläufe und der dafür benötigte Raum von Anfang an bei der Planung berücksichtigt und mit einer anspruchsvollen optischen Gestaltung des Gesamtkomplexes vereint. Das Ergebnis dieser Verbindung aus Funktionalität und Ästhetik waren schlichte kubisch geformte Gebäude, bestehend aus einem gleichmäßig gerasterten Stahlfachwerk mit roter Backsteinausfachung und wandbündigen Drahtglasbändern zur Belichtung. Das 55 Meter hohe Doppelbockfördergerüst, oft auch "Eiffelturm des Ruhrgebiets" genannt, bildet das Zentrum der Anlage. Alle anderen funktionalen Einheiten sind um diesen Mittelpunkt herum angeordnet, was auch einen deutlichen Hinweis auf die zentrale Rolle des Schachtes XII darstellt.

Die funktional ausgerichtete Architektur findet sich auch in der 1957-61 gebauten Zentralkokerei Zollverein wieder, für deren Planung ebenfalls der Architekt Fritz Schupp verantwortlich war.

Die heutige Nutzung der Zeche Zollverein (insbesondere der Tagesanlagen des Schachtes XII) ist sehr vielschichtig und stellt eines der wenigen guten Beispiele für die "Weiterverwendbarkeit" eines ausgedienten Bergbaustandortes dar. Zunächst sollte erwähnt werden, dass einige Zollverein-Schächte noch nicht verfüllt sind und der Wasserhaltung dienen. Daher sind einige Gebäude und Anlagen noch in Betrieb. Im Kesselhaus der Anlage Zollverein XII hat sich das Designzentrum NRW angesiedelt. Des weiteren nutzt das Theater und die Philharmonie Essen den Standort Zollverein regelmäßig. Einige Gebäude oder Gebäudeteile (z.B. Sieberei und Kohlenwäsche) wurden im Originalzustand belassen und können im Rahmen von Führungen, veranstaltet durch das Museum Zollverein, besichtigt werden. Auch die Stiftung Zollverein und einige Unternehmen haben sich rund um Schacht XII angesiedelt.
Für die Anlagen Zollverein Schacht 1/2/8, Schacht 3/7/10 und Schacht 4/11 konnten ebenso Nutzungsmöglichkeiten gefunden werden. Für mehr Informationen siehe hier.

Die Zentralkokerei Zollverein machte besonders in den Sommermonaten 1999 und 2000 durch die Ausstellung Sonne Mond und Sterne auf sich aufmerksam. Der Standort wird auch weiterhin für Kunst- und Kulturveranstaltungen genutzt. Seit 1999 wird auf der Kokerei ein großes Solarkraftwerk installiert. Die Kokerei kann genauso wie die Zeche Zollverein im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Erwähnenswert ist noch, dass im Sommer ein in die Kokerei integriertes "Werksschwimmbad" und im Winter die längste Eisbahn der Welt genutzt werden können.

Kokerei und Zeche Zollverein stehen heute größtenteils unter Denkmalschutz. Am 14 Dezember 2001 wurden beide Komplexe von der UNESCO in die Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt aufgenommen.

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